Deep Dive

Low-Code & KI: Wenn Automatisierung anfängt, mitzudenken Low-Code and AI: When Automation Starts to Think

Low-Code und KI wachsen zusammen. AI Builder, Copilot Studio und KI-Agenten verändern alles, und du brauchst dafür keinen Data Scientist. AI and low-code are converging. What this means for automation, and what you can build with Azure AI and Power Platform today.

#ki#azure-ai#power-automate#automatisierung

von by  Felix Tischler

Low-Code & KI: Wenn Automatisierung anfängt, mitzudenken

Das Problem: Dein Flow ist perfekt, solange alles nach Plan läuft. Aber wenn eine Rechnung ungewöhnliche Werte hat, ein Kunde unstrukturierten Text schreibt oder ein Prozess einen unerwarteten Fall trifft: der Flow scheitert lautlos. Was fehlt, ist Intelligenz.


Die neue Stufe der Automatisierung

Früher: Wenn A, dann B, fest programmierter Ablauf. Heute: Wenn A, was ist dann wahrscheinlich B?, KI-gestützte Entscheidung.

Low-Code + KI bedeutet: Menschen ohne Programmierkenntnisse können leistungsfähige KI-Modelle in ihre Anwendungen integrieren, schnell, visuell und mit konkretem Nutzen.

Die Demokratisierung von KI ist der nächste logische Schritt der Low-Code-Bewegung.


Von reaktiv zu intelligent: Was sich verändert

Klassischer FlowKI-erweiterter Flow
Reagiert auf definierte EreignisseReagiert auf + antizipiert Ereignisse
Folgt starren Wenn-Dann-RegelnArbeitet mit Wahrscheinlichkeiten
Kennt nur vordefinierte PfadeKann unerwartete Situationen handhaben
Beschränkt auf strukturierte DatenVerarbeitet Text, Bilder, Sprache

Typische KI-Einsatzszenarien in Low-Code

mindmap
 root[" KI in Low-Code"]
 Dokumente
 Rechnungen verarbeiten
 Verträge auslesen
 Formulare extrahieren
 Texte
 Zusammenfassen
 Übersetzen
 Klassifizieren
 Bilder
 Objekte erkennen
 Texte aus Bildern lesen
 Produktfotos auswerten
 Vorhersagen
 Ausfallwahrscheinlichkeit
 Verkaufschancen
 Risikoabschätzung
 Sprache
 Sprachbots
 Transkription
 Sentiment-Analyse

AI Builder: Eigene KI ohne Data Scientist

Microsofts AI Builder ermöglicht das Training eigener Modelle auf Basis von Excel- oder SharePoint-Daten. Keine Machine-Learning-Kenntnisse notwendig.

ModelltypWas es kannAnwendungsbeispiel
FormularverarbeitungFelder aus PDFs/Scans extrahierenRechnungseingang automatisieren
ObjekterkennungProdukte in Bildern identifizierenQualitätskontrolle im Lager
TextklassifizierungTexte kategorisierenSupport-Tickets priorisieren
VorhersagemodellWahrscheinlichkeiten berechnenChurn-Risiko im CRM
Sentiment-AnalyseStimmung in Texten erkennenKundenfeedback auswerten

Copilot: KI als Assistent beim Bauen

Microsoft hat KI direkt in die Entwicklungsumgebung integriert. Mit Copilot in Power Automate kannst du in natürlicher Sprache beschreiben, was du willst:

„Erstelle einen Flow, der täglich alle Aufgaben in meiner To-Do-Liste prüft und mir eine E-Mail sendet, wenn Aufgaben überfällig sind.”

→ Copilot generiert daraus einen funktionsfähigen Entwurf.

Copilot erfindet keine Magie. Er übersetzt Absichten in Flow-Strukturen. Prüfe das Ergebnis immer, Copilot ist Assistent, kein Ersatz für Prozessverständnis.


Copilot Studio: Konversationelle KI ohne Code

Copilot Studio (ehemals Power Virtual Agents) ist Microsofts Plattform für KI-Agenten und Chatbots. Citizen Developer können damit:

  • Chatbots und Sprachassistenten ohne Programmierung erstellen
  • Wissensdatenbanken (SharePoint, Webseiten, Dateien) als Basis für generative Antworten nutzen (RAG)
  • Agenten mit Werkzeugnutzung konfigurieren: Der Agent ruft selbständig Konnektoren und Flows auf
  • Den Agenten in Teams, Web, E-Mail oder eigene Apps einbetten

KI-Agenten: Das nächste Level

Der wichtigste Paradigmenwechsel seit 2024: KI-Agenten, Systeme, die nicht nur reagieren, sondern selbständig handeln.

graph LR
 subgraph Klassisch[" Klassischer Flow"]
 C1["A"] --> C2["B"] --> C3["C"]
 end
 subgraph Agent[" KI-Agent"]
 G["Ziel empfangen"] --> W["Werkzeuge\nwählen"]
 W --> E["Ausführen"]
 E --> P{"Ziel\nerreicht?"}
 P -->|Nein| W
 P -->|Ja| D["Abgeschlossen"]
 end
 style Klassisch fill:#f3e8ff,stroke:#a855f7
 style Agent fill:#dcfce7,stroke:#22c55e

Was ein KI-Agent kann:

  • Ziele verfolgen, statt nur Befehle ausführen
  • Werkzeuge selbständig wählen (API, Datenbank, weiterer Agent)
  • Mehrstufige Aufgaben ohne Zwischeninteraktion abschließen
  • Unerwartete Situationen durch LLM-Reasoning handhaben

Praxisbeispiel: Ein Agent erhält die Aufgabe „Qualifiziere neu eingegangene Leads und sende personalisierte Follow-up-Mails”, und erledigt dies vollständig autonom: CRM-Lookup → Segmentierung → Texterstellung → Versand.


Beispiel: Genehmigung mit Risikoabschätzung

Power Automate Flow + KI-Erweiterung:

  1. Urlaubsantrag trifft ein
  2. KI analysiert: Wann wurden bisherige Anträge dieser Person genehmigt?
  3. KI erkennt: Hochphase des Teams → Risiko Unterbesetzung
  4. Flow ergänzt automatisch einen Hinweis für die Führungskraft
  5. Entscheidung bleibt menschlich, wird aber fundierter getroffen

Risiken und Verantwortung

RisikoUmgang damit
Falsche VorhersagenKI liefert Wahrscheinlichkeiten, keine Fakten, immer prüfen
Datenbasis-BiasWar das Trainingsmodell fair? Repräsentative Daten?
Autonome EntscheidungenKlare Grenzen: Was darf der Agent selbst entscheiden?
NachvollziehbarkeitJede Agenten-Aktion muss auditierbar sein

KI-Agenten ohne Governance sind kein Fortschritt, sie sind ein Risiko. Klare Kompetenzgrenzen, Audit-Mechanismen und menschliche Kontrollpunkte sind Pflicht.


Fazit: Low-Code wird intelligenter, du auch

„Low-Code bringt den Prozess zum Laufen. KI bringt ihm bei, mitzudenken.”

Die Fähigkeit, KI-Werkzeuge sinnvoll in Prozesse zu integrieren, wird zur Kernkompetenz im digitalen Arbeitsalltag. Du brauchst dafür keine Data-Science-Ausbildung. Du brauchst: Prozessverständnis + die richtigen Tools + kritisches Denken gegenüber KI-Ausgaben.